2007
Tatjanas Traum
Der Tagesspiegel Berlin, 28. Dezember 2007, Frederik Hanssen
"Der Auftritt des Staatsorchester Frankfurt (O.) beginnt mit einem Schreckensmoment: Sicher, Tschaikowsky wünscht sich den Eröffnungssatz seines 1. Klavierkonzerts „molto maestoso“ – aber muss man das pathetische Thema so langsam, so breit spielen, wie es Dirigent Michael Sanderling anzeigt, während der Pianist Vladimir Stoupel tonnenschwere Akkorde setzt, als schleuderte ein zorniger Gott Gebirge auf die Erde? Stoupel wagt eine besondere, ganz private Interpretation des vertrauten Stücks, macht aus dem virtuosen Reißer für Tastensprinter ein Tongedicht über die Kämpfe einer verzweifelten Seele. Er lässt sich vom Notentext zu einer rhapsodischen Erzählung inspirieren, zum Operntableau, packend und atmosphärisch dicht wie Tatjanas Briefszene aus „Eugen Onegin“. Gegen alle Konventionen öffnet in Tschaikowskys Oper eine junge Frau ihrem Angebeteten ihr Herz. Es gehört für den Pianisten ebenso viel Mut dazu, in Zeiten, wo alles auf die schwerelose Brillanz eines Lang Lang schwört, durch emotionale, herzgesteuerte Deutung klarzumachen, warum das Werk einst als ungeheuerlich, geradezu obszön privat galt."
Russische Musik brachte Wehmut ins Große Haus
Mainzer Rhein-Zeitung, 25. September 2007
„Mit Pjotr Iljitsch Tschaikowskijs Klavierkonzert Nr. 3 Es-Dur op. posth. 75 "Allegro Brillante" und dem Konzert für Klavier, Streicher und Pauken von Galina Ustwolskaja standen zwei Solokonzerte auf dem Programm. Vladimir Stoupel verlieh den beiden einsätzigen Werken authentisch russische Seele. Mit klarem Anschlag und leidenschaftlicher Intensität spielte er differenziert die synkopisch rhythmischen und innig ruhigen Themen des Tschaikowskij-Konzerts. Besonders in der Kadenz zeigte Stoupel Ausdrucksvielfalt von wehmütig unruhig bis leidenschaftlich entschlossen. Auch in Ustwolskajas Konzert beeindruckte der Pianist mit einer Fülle an Klangfarben. Das Orchester passte sich ihm sensibel an, klang neblig mystisch oder bedrohlich hämmernd.“
Klavier erklingt als Sterbeglöckchen
Russische Musik im Mittelpunkt des zweiten Sinfoniekonzerts des Mainzer Staatsorchesters
Allgemeine Zeitung Mainz, 24. September 2007
"Der Pianist Vladimir Stoupel ist in Mainz bekannt, seit er sich vor fünf Jahren in der Rheingoldhalle als Einspringer bewährt hat. Im dritten Klavierkonzert Es-Dur, das Tschaikowskij in seinem Todesjahr schrieb und nur den Kopfsatz vollenden konnte, erwies sich Stoupel als versierter Interpret der russischen Schule. Er gab Tschaikowskij Pathos und die heroische Geste, lyrische Melancholie und virtuose Rasanz.
Das einsätzige Konzert für Klavier, Streicher und Pauke (1946) der Komponistin Galina Ustwolskaja (1919 - 2006), einer Schülerin von Schostakowitsch, setzt extreme Klangkontraste gegeneinander. Da wechselten die stählernen Akkorde des Pianisten Vladimir Stoupel mit elegischen Streicherkantilenen, vorwärtstreibende Motorik mit zart vertröpfelnden Einzeltönen vom Klavier. Dazwischen Zäsuren der Stille. Während die Pauke oft kantabel weich agierte, erhielt das Klavier die Funktion des Schlagzeugs oder klang in gehämmertem Diskant wie das Sterbeglöckchen. Die Dirigentin Catherine Rückwardt fand für dieses komplexe Werk zu packender Ausdrucksintensität und wurde mit Pianist und Orchester gebührend gefeiert."
Verhangene Stimmungsbilder
Neue Westfälische Zeitung, 12. September 2007
"Unter den Händen des angesehenen Pianisten und ausgewiesen vielseitigen Musikers Vladimir Stoupel erfährt die Rathaus Sonate Nr. 3 eine nicht auslassende Durcharbeitung und prägende Gestaltungskraft. Ein beeindruckendes Plädoyer. Zum Auftakt mit Schuberts f-Moll Impromptu op. 142/1 vereinte sein gereiftes Spiel Klarheit der Formulierung und reich schattierende Sensibilität, ließ die Abgründigkeit des Schubertschen Spätwerktons in klangräumlicher Weite spüren. Gewisse impressionistische Anflüge mochten als Verbindung zum Lyrismus Claude Debussy gemeint sein. In dessen Klavierzyklus "Estampes" zeichnet und evoziert Vladimir Stoupel mit höchster Anschlagskultur Klangbilder aus Java, Spanien und Paris, durchsichtig, luzide, poetisch. Maurice Ravels "La Valse" eines Tastevirtuosen - entwaffnend. Hochgestimmter Applaus und eine wunderbare, weil kristallklar-preziös gefeilte Schubert-Zugabe."
Meister des Umschwungs
Westfalen Blatt, 12. September 2007
Stoupel ist ein Pianist, der die wilde und urwüchsige Energie der Dritten Rathaus-Sonate ebenso aussagekräftig trifft wie die verhaltene Lyrik. Er ist ein Meister des Stimmungsumschwungs, der aus selbstversunkenen Monologen urplötzlich auftaucht, um sodann wieder darin zu verschwinden. Bei Claude Debussys "Estampes" treibt er dieses Spiel gewissermaßen auf die Spitze. Aus den verhangenen Bildern, die er im selbstversunkenen Spiel evoziert, blitzen überraschende Profile durch. Von extremen Stimmungsumschwüngen und großer Impulsivität zeugt seine "La Valse"-Interpretation von Maurice Ravel. Hier gibt der Tastenstreichler den Tastenlöwen, der irrwitzige Akkordläufe, aber auch fantastische Wirbel in Perfektion zum Besten gibt.
Schönbergs Klavierwerk an einem Abend (auris subtilis, 2002)
klassik.com
19. Februar 2007 (Tobias Pfleger)
Dem spröden Charme des Großteils von Arnold Schönbergs Klavierwerk gerecht zu werden, braucht es mindestens drei Fähigkeiten: technische Brillanz, ein Gefühl für Dramatik und ein Gespür für Klangfarbenschattierungen. Vladimir Stoupel erweist sich als ein Pianist, der diese Musik scheinbar von der klanglichen Seite her angreift, nicht aus der Position intellektueller analytisch-seziererischer Genauigkeit. Wie er schon im ersten Stück von op. 11 zeigt, begreift er Schönberg als einen in der romantischen Tradition stehenden Komponisten, betont mithin die Aspekte, die eher zurück verweisen. Das muss kein Schaden sein, denn Schönberg bemühte sich - auch publizistisch - darum, sich als Erbe der musikgeschichtlichen Tradition, vor allem Brahms', darzustellen. Stoupel geht sehr behutsam zu Werke, begreift die musikalische Substanz als Farbangebot und weiß überdies, wie man Schönbergs Musik dramatisch gestalten kann. Ähnliches lässt sich auch von seiner Interpretation weiterer Werke sagen: Die schnell verhuschenden Farbwerte der Klänge in op. 19 versteht er mit versierter pianistischer Technik hervorzuzaubern. Vladimir Stoupel gelingt hier eine bemerkenswerte Einspielung des Klavierwerks, die vor allem im klangfarblichen Bereich eine enorm große Palette bereithält.
Langer Applaus nach opulentem Klavierklang
Vladimir Stoupel beeindruckt mit Tschaikowskis b-Moll Konzert
Leipziger Volkszeitung
22. Januar 2007
"Stoupel gelang bis aufs I-Tüpfelchen alles: donnernde Oktavketten, rasante Läufe, schmelzende Kantilenen. Seine brilliante, souveräne Gestaltung ließ auch in den Mittelsätzen keinerlei Mangelerscheinungen aufkommen. Munter hüpfend, aber auch weich und klanggriffig präsentierte sich das Finale. Langer Applaus für den freundlichen Pianisten."