2010
"En Hommage Simon Laks"
CD - Rezension
Simon Laks:
Trois pièces de concert
Sonate pour violoncelle et piano
Suite poloniase
Ballade "Hommage à Chopin"
Judith Ingolfsson, Violine
Leonid Gorokhov, Cello
Vladimir Stoupel, Klavier
EDA 31
… Judith Ingolfsson und Vladimir Stoupel spielen seit 2006 im Duo. Für die Laks-Aufnahme haben sie den Cellisten Leonid Gorokhov hinzugezogen. Die drei Musiker haben alle denselben Zugang zu Simon Laks Musik: Ihrer Interpretation hört man an, dass sie die Musik gut kennen. Sie setzen den strahlenden, klaren, manchmal auch aggressiven Ton ein, den diese Musik braucht und sie finden genau die richtige Mischung aus Präzision und Spielwitz. Zum Abschluss der CD darf Vladimir Stoupel zeigen, dass er nicht nur als Begleiter, sondern auch als Solist brillieren kann. Er spielt die Ballade "Hommage à Chopin". Es ist das einzige Stück der CD, das aus der Nachkriegszeit stammt. Ein empfindsames Bravourstück, mit dem Simon Laks seinem Landsmann und Vorgänger als Pole in Paris seine Ehre erweist.
WDR3, 19. November 2010
Einleitung voller Pathos
Ein so groß besetztes Orchester wie am Dienstag hat der Konzertsaal lange nicht gesehen. Es galt einer musikalischen Rarität: den Variationen über ein Kinderlied für Klavier und Orchester op. 25 von Ernst von Dohnányi. Dieses brillante Konzertstück des ungarischen Komponisten ist ein facettenreiches Schaustück - aber auch ein gastreicher musikalischer Spaß.
,,Morgen kommt der Weihnachtsmann": Unter diesem Text ist die Melodie des zugrundeliegenden Lieds hier bekannt. Dohnányi bereitet die Vorstellung des Themas mit einer schmerzlich-dissonanten Einleitung voller Pathos vor. Das runde Dutzend Variationen, das folgte, entlockte dem Publikum so manches Schmunzeln, parodierten sie doch Komponisten wie Brahms oder Richard Strauss ebenso wie musikalische Genres und Formen. Den Walzer etwa oder die Fuge, die die zehn Finger des Solisten am Ende vor die vielleicht höchste Herausforderung stellte. Vladimir Stoupel entledigte sich ihrer von Anfang bis Ende manuell überlegen, bot dem Mammutorchester mit kernig-trockenem Anschlag Paroli, und blieb dem schillernden Stück an Brillanz nichts schuldig. Rauschender Beifall und eine charmante Schubert-Zugabe.
Solinger Morgenpost, 02. Dezember 2010
Von kosmischer Katastrophe zu lieblichem Weihnachtslied
Dohnanyis "Variationen über ein Kinderlied" ist ein parodistisches Stück. Mit größter Wucht setzt das Orchester ein als ginge es um eine kosmische Katastrophe. Wenn dann Vladimir Stoupel am Flügel ganz einfach das Thema "Morgen kommt der Weihnachtsmann" anschlägt, könnte der Kontrast nicht größer sein. Im Laufe des Stücks erlebt das Thema die seltsamsten Abenteuer: Es scheint plötzlich von Brahms zu sein, dann von Mendelssohn, es wird zum Walzer und zum Marsch. Mit Elan bewältigte der Pianist die rasenden Läufe, die vertrackte Polyphonie. Mit sanftem Schubert dankte er für den Riesenapplaus.
Solinger Tageblatt, 01. Dezember 2010
Komponisten im Gespräch
SHMF-Konzert war amüsant und lehrreich
Gleich mit den ersten Takten von Chopins und Liszts Nocturne "Meine Freuden" für Klavier zeigte der gebürtige Russe, der in Berlin lebt, eine wunderbare Anschlagkultur und innige Beziehung zur Komposition.
In Szymon Laks' Ballade "Hommage à Chopin" machte der Pianist hörbar, wie sich Laks an Chopins Musik herantastete. Stark im Zugriff, steigerte er sukzessive die Dramatik.
Chopins Minutenwalzer spielte er verführerisch mit einem suggestiv gestalteten Rhythmus. In Ravels "La Valse" arbeitete er eruptiv die starken Brüche heraus, machte die Verzweiflung und die erzwungene Ruhe von Ravels Erinnerung an den Ersten Weltkrieg hörbar.
Judith Ingolfsson gehörte der zweite Konzertteil, kongenial von Stoupel am Flügel begleitet.
In Ravels Sonate für Violine und Klavier zeigte das Duo eine wunderbare Einheit. Ingolfsson arbeitete vor allem den leicht lapidar-resignativen Charakter des Blues heraus. Das aufrührerisch Balladeske der Komposition gelang derart gut, dass man meinte, Kurt Weills Seeräuber-Jenny würde singen.
Beim Schleswig-Holstein Musik Festival ist es mir bislang nicht begegnet, dass die Konzertbesucher zwischen den Sätzen applaudieren. Bis jetzt. Bis zum Konzert mit Judith Ingolfsson und Vladimir Stoupel in Norderstedt. Kaum war der erste Satz von Simon Laks "Trois Pièces de concert" verklungen, applaudierten einige Zuhörer begeistert. Zu Recht begeistert. Denn das Duo spielte fantastisch!
Hamburger Abendblatt, 26. Juli 2010
Maurice Ravel zu Gast in der Dorfkirche
Die Konzertmitte und den Schwerpunkt bildete «La Valse», einer eigentlich als Ballett konzipierten Verfremdung des Wienerwalzers aus der glorreichen k.k. Zeit in der Mitte des 19. Jahrhunderts. Technisch vollendet und dynamisch bis an die Grenzen des Erträglichen lotete Vladimir Stoupel das klangliche Kaleidoskop aus, eine Walzerbiographie, aus dem Nichts entstanden, zu Glanzzeiten emporgewachsen und wieder ins Nichts zerfallen. Packend und zermürbend!
Jungfrau Zeitung (Schweiz), 17. Juli 2010
Befreiender Klangausbruch
Zum Saison-Abschluss spielt das Philharmonische Orchester Musik von Liszt und Schostakowitsch.
.... Abermals steht danach Liszt auf dem Programm des Abends. Solist in dessen zweitem Klavierkonzert ist der Pianist Vladimir Stoupel, welcher mit seinem Auftritt einen strahlenden Erfolg feiern kann. Als Charakterverwandlungen führen er und das Orchester Liszts Themen-Metamorphosen vor und deuten gleich mit den ersten Takten an, welches Potential in den unscheinbaren Anfängen der Musik steckt. Den lyrisch-weichen Akkorden der Holzbläser fügt Stoupel nicht einfach filigrane Arabesken hinzu, sondern gibt den Tönen gleich Gewichtsakzente, mit denen er bereits auf die schwerathletischen Entwicklungen seines Klavierparts vorausweist, wo er später die Oktavengänge und Akkordpassagen scharf gemeißelt und kantig herausstellt. Aber auch ganz entspannt vermag Stoupel zu musizieren: in leicht hingetupftem Leggiero, in selbstvergessen träumerischen Abschnitten, wo das Mitwirken des Orchesters fast vergessen scheint, und ebenso dort, wo er die Kantilene des Solocellos mit sanft perlendem Spiel umschmeichelt.
Mittelbayerische Zeitung, 14. Juli 2010
Hymnisches Finale
Für die Chopin-Hommage war das e-Moll-Klavierkonzert op. 11 auserkoren, dem die Musiker für die Orchesterexposition eine geradezu beethovengeprägte Leidenschaftlichkeit verliehen. Überaus kraftvoll geriet der Einsatz des Solisten Vladimir Stoupel, der jeden Ton mit staunenswerter Nachdrücklichkeit versah. Spielerisch leicht, aber fern des Verspielten erwies er sich als ein mitdenkender, fast grüblerischer Chopin-Anwalt, der auch dem Virtuosen mit seinem trillerreichen Passagenwerk nichts schuldig blieb.
Verträumt sinnierte er durch lyrische Gefilde, donnerte mit Tastenbravour das Pathos herbei - kurzum: mit seinem nuancierten Anschlag von watteweich bis kraftstrotzend und seinem unbändigen Gestaltungswillen erwies er sich als ein kontrastliebender, konturenklarer Stimmungsmaler. In berückender, leuchtender Schönheit sang er das Larghetto als ein Nachtstück voll inneren Leuchtens. Enthusiastischer Beifall und eine Schubert - Zugabe.
Märkische Oderzeitung, 15. März 2010